Für die Bildung eines Localgewerbevereins zu Nidda wurde am 11. Februar 1875 um 8 Uhr Abends in das Gasthaus Zur Traube geladen. Schon ein Tag danach wurde im Niddaer Anzeiger die Gründung bekannt gegeben und die Statuten offen gelegt.

Einladung zur Bildung eines Local-Gewerb-Vereins zu Nidda.
Es Alle Diejenigen, welche an der Entwickelung gewerblichen Strebens ein Interesse haben, werden hiermit ergebenst eingeladen, sich zu einer Versammlung auf Donnerstag den 11. Februar, Abends 8 Uhr, im Gasthaus zur Traube einzufinden.

Statuten des Localgewerbvereins zu Nidda.

Nidda,
Druck von Ludwig Cloos.

§. 3.
Zur Beschaffung der erforderlichen Geldmittel zahlt jedes Mitglied einen Beitrag von vier Mark jährlich. Von den Mitgliederbeiträgen wird die Hälfte von 2 Mark an die Kasse des Hauptvereins abgegeben. Die übrigen 2 Mark sollen zur Unterhaltung der Schule, zur Anschaffung gewerblicher Zeitschriften und Bildungsmittel, sowie für sonstige Zwecke, welche die Versammlung der Mitglieder bestimmen wird, verwendet werden.

§. 4.
Der Beitritt zu dem Verein erfolgt durch schriftliche Anmeldung bei dem Vorstände des Vereins, der Austritt durch schriftliche Austrittserklärung, welche jedoch längstens bis zum 1. Dezember erfolgt sein muß.

§. 5.
Mitglieder, welche ihrer Beitragspflicht nicht Genüge leisten, können aus dem Verein ausgeschlossen werden, bleiben jedoch während des Rechnungsjahres, in welchem der Ausschluß beschlossen wird, beitragspflichtig bis zum Ende desselben.

§. 6.
Die leitenden Geschäfte des Vereins versieht ein Vorstand, welcher von der Versammlung der Mitglieder je auf ein Jahr gewählt wird. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, 12 Mitgliedern und dem Vereinsrechner. Der Vorsitzende oder in seiner Verhinderung ein Vorstandsmitglied leitet die Versammlungen.

§. 1.
Der Localgewerbverein zu Nidda bildet einen Theil des Landesgewerbvereins und steht mit diesem nach Maßgabe der Statuten desselben in Verbindung. Sein Zweck ist der nämliche, welchen der Landesgewerbverein verfolgt, mit besonderer Beziehung auf die gewerblichen Verhältnisse von Nidda und dessen nächster Umgebung.
Als nächste Aufgabe setzt sich der Localgewerbverein die Gründung einer Handwerker-Fortbildungsschule, in welcher angehende Gewerbetreibende und andere junge Leute nach ihrem Austritt aus der Schule Unterricht in allgemeinen und speciell technischen Fächern erhalten können.

§. 2.
Zur Förderung der Vereinszwecke erscheint es geboten, öfters Versammlungen der Mitglieder stattfinden zu lassen, in welchen die Vereinsangelegenheiten berathen, Vorträge über gewerbliche Gegenstände gehalten und gewerbliche Angelegenheiten besprochen werden.

In den so genannten Statuten ist in §1 festgehalten, und es war zu dieser Zeit die Hauptaufgabe, die Bildung zu unterhalten und zu fördern. So z.B. die Sonntagsschule zu betreuen, die Handwerkerschule wieder ins leben zu rufen und eine Gewerbeschule zu errichten. Zunächst war die Betreuung der Sonntagsschule übernommen vom Verein, dessen Kindern von Mitglieder kostenlos unterrichtet worden sind und nicht Mitglieder 1 Mark zahlen mussten.

Die Schülerzahlen stiegen und es wurde in Freihandzeichnen, Rechnen, Geometrie und darstellende Geometrie unterrichtet. Auch wurde die Schule von der Sparkasse und dem Landesgewerbeverein unterstützt. 1893 wurde sogar eine Abendschule eingerichtet.

1867 wurde die Handwerkerschule geschlossen, Nachdem der Localgewerbeverein gegründet worden war, war dieser die treibende Kraft und sie wieder zu aktivieren. Die „Großherzogliche Centralstelle für die Gewerbe“ erklärte sich bereit jährlich 3000 Mark beizusteuern. So wurde für 16.596,89 Mark ein neues Schulgebäude in der Bahnhofstraße errichtet und am 15. Nov. 1891 die erweiterte Handelschule gegründet.

Im laufe der Zeit gab es 20 Unterrichtsfächer und es wurden Werksmeister, Bauaufseher, und Bautechniker ausgebildet. Gesellen wurden ausgebildet und Vorbereitungen zu Meisterprüfungen durchgeführt. 1927 stieg die Schülerzahl auf 95. Verwaltungsmaßnahmen musste die Schule hinnehmen als der Kreis als Träger die Gewerbeschule 1923 übernommen hat und 6 Jahre später an die Stadt Nidda weiterdelegierte. Die Schülerzahlen sanken wieder und 1936 wurde der Schulbetrieb hier eingestellt.

Quellen: Archiv Heimatmuseum Nidda zusammengestellt von Martin Röhling